Bienenhaltung und Naturschutz

Helmut & Margit Hintermeier

Rund vier Fünftel unserer Blütenpflanzen sind zu ihrem Fortbestand auf eine Bestäubung durch Insekten angewiesen. Durch ihre bereits im Frühjahr vorhandene hohe Individuenzahl, ihre Blütenstetigkeit und ihre mobile Einsatzmöglichkeit nimmt die Honigbiene sicher eine bevorzugte Stellung unter allen blütenbestäubenden Insekten ein. Durch ihre umfassende Bestäubungsleistung ist die Honigbiene gleich nach Schwein und Rind und noch vor dem Huhn längst zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden, dessen Wegfall allein in der Landwirtschaft weltweite Verluste von vielen Milliarden Euro zur Folge hätte. Die an der gesamten Wildflora geleisteten Bestäubungsdienste entziehen sich dagegen jeglicher Berechnung. Die unter der Obhut der Imker zu starken Volkseinheiten heranwachsende Honigbiene besitzt jedoch kein „Bestäubungsmonopol“. Ebenso unverzichtbar ist die Bestäubungsarbeit der Wildbienen und Hummeln. Weitab von Bienenvölkern bilden sei mit bis zu 80% die wichtigsten Bestäubungsgaranten unserer Kultur- und Wildpflanzen. Verantwortungsbewusste, für den Natur- und Artenschutz engagierte Imker, sollten sich auch als „Anwälte“ für die heute vielfach bedrohten Wildbienen, Hummeln, Solitärwespen, Schwebefliegen und Schmetterlinge einsetzen. Nur sie alle zusammen garantieren als so genannte „Bestäuber-Gesellschaften“ (pollinator communities) den Fortbestand artenreicher, stabiler Lebensgemeinschaften. Allein die Insektenwelt in ihrer Vielgestaltigkeit sorgt dafür, dass die Lebenskräfte und damit auch die Schönheiten ganzer Landschaften sich immer wieder erneuern. Erhaltung und Schutz von Landschaft und Umwelt wird daher heute zu Recht als der volkswirtschaftlich wichtigste Teil der Bienenhaltung betrachtet.

 

ISBN. 978-3-7689-0277-9